Aktivistisch-partizipative Beratung für nachhaltiges Bauen

Ausgangslage

Nachhaltiges Bauen wird heute als technische Fragestellung begriffen. Gemäss den dominanten Akteuren reicht es aus, die Vorgaben zahlreicher Standards und Normen zu beachten. Zwischen «nachhaltigen» Gebäuden und konventionellen Gebäuden sind aber keine sichtbaren Unterschiede auszumachen. Die Unterschiede betreffen technische Details, die kaum Einfluss auf wichtige Aspekte Nachhaltiger Entwicklung aufweisen. Fragen zu wirtschaftlichem Wachstum und Wohlstand, welche für die Umweltschäden verantwortlich sind, wird ausgewichen. Im Gegenteil, hegemoniale Nachhaltige Entwicklung setzt auf grünes Wachstum, obwohl längst nachgewiesen ist, dass damit die Nachhaltigkeitsprobleme nicht gelöst werden können. Die tatsächliche Mitsprache der Bevölkerung und die Partizipation der Nutzerinnen und Nutzer wird durch technische Vorgaben an den Rand gedrängt. Auch die Klimakrise wird als technisches Problem begriffen, welches von reichen Bauherrschaften durch teure offsetting-Projekte auf dem Papier gelöst wird. Die Klimakrise wird dadurch kommodifiziert und Teil der nicht-nachhaltigen Konsumkultur, welche die Externalitäten ins Ausland verlagert. Einer tatsächlichen Beschäftigung mit dem Problem wird dadurch ausgewichen und die kolonialen Strukturen zwischen reichen und armen Ländern aufrechterhalten.

Fragestellung

Die offensichtlichste Besonderheit von Gebäuden verglichen mit anderen Produkten liegt in ihrer situativen Verfasstheit. Deshalb die Bezeichnung Immobilie. Ein Gebäude ist durch seine ortsgebundene Seinsweise in eine Landschaft, Nachbarschaft oder Quartier eingebunden. Baumassnahmen bedeuten einen Eingriff in dieses Gefüge, welches grosse Ähnlichkeit mit einem Ökosystem aufweist. Nicht nur Menschen bevölkern dieses Ökosystem, sondern auch Tiere, Pflanzen und Mikrolebewesen. Der Boden wurde nicht künstlich hergestellt, sondern stellt ursprünglich eine natürliche Grundlage dar und kann mit seiner Bearbeitung durch die Menschen – ähnlich wie ein Garten – als ein koproduziertes Ding begriffen werden. Auch die meisten Baustoffe stammen aus dem Boden oder wachsen aus ihm. Durch seine wirtschaftliche Kommodifizierung wurde eine unsichtbare Bedeutungsebene darübergelegt, welche mit dem Ökosystem, den natürlichen Grundlagen und im geringeren Mass mit den Nachbarschaften nichts gemeinsam hat. Dies stellt ein Nachhaltigkeitsproblem dar, welches nur im Einvernehmen zwischen den ansässigen Menschen und den natürlichen Bewohnern bearbeitet werden kann. Dabei helfen keine technischen Vorgaben, welche universell in der ganzen Schweiz gelten.

Ansatz

Um sich von den technischen Scheinlösungen zu befreien, braucht es einen viel breiteren Ansatz als die Checklisten der Standards und Zertifikate. Statt lediglich ein leicht angepasstes Bauprojekt umzusetzen, sollte vielmehr die Frage im Mittelpunkt stehen, wie sich die Gesellschaft in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung transformieren kann. Dies bedeutet, die Unterstützung von Menschen in Anspruch zu nehmen. Zu allen relevanten Themen gibt es leidenschaftlich interessierte und kompetente Menschen. Typischerweise engagieren sich diese in Vereinen. Diese Personen müssen mit Bauherrschaften und Planern in einen Dialog gebracht werden. Die Organisation des Dialogs ist die Aufgabe des architekturlabors.

Literatur

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Basel, 12.06.2026.